Montag, 29. Juli 2013

Keine Lust heute...

Irgendwie habe ich heute keine Lust auf gar nichts. Auch nicht zum schreiben. Das hat aber absolut nichts mit allgemeiner Montagslustlosigkeit zu tun. Und da es mit derzeit 17 Grad Celsius als Außentemperatur nicht gerade heiß ist, scheidet Hitzeträgheit somit ebenfalls als Ausrede dafür aus. Es ist eben einfach so wie es ist: Ich habe keine Lust! Punkt bzw. Ausrufezeichen.
Eine besondere Erklärung hierfür kann ich beim besten Willen nicht liefern. Die einzige, die mir einfällt ist "Es gibt nun mal solche Tage".  Und ich denke mal, solche Tage kennt bestimmt jede(r) andere Mensch von sich selbst auch schon zur Genüge.

Dabei habe ich eigentlich gar keine Lust dazu, keine Lust zu haben. Außerdem müsste ich heute zumindest hier was schreiben. An getätigten Deutsch-Mensch-Beobachtungen mangelt es mir nun wahrlich nicht. Das vor mich hin tippselieren macht mir zudem großen Spaß, nur heute eben irgendwie nicht.
Ich könnte ja stattdessen im weiteren Tagesverlauf zum örtlichen Friedhof pilgern und den an anderer Stelle erwähnten ominösen, verloren gegangenen Grabstein suchen. Aber auch dazu habe ich heute keine Lust.

Die meisten Menschen meinen, dass man sich, wenn man Aufgaben zu erledigen hätte, auf die man eigentlich gar keine Lust hätte, dann eben dazu zwingen müsse. Was muss, das muss halt: Die Zähne herzhaft zusammenkneifen und die A....backen fest zusammenbeißen, dann geht das schon. Bei mir jedoch wirkt alles noch so kraftvolle zubeißen und -kneifen nicht. Wenn ich keine Lust habe, dann habe ich wirklich keine Lust, da hilft alles müssen und sich zwingen nichts! Und wenn ich was unter äußerem, erst recht aber unter selbst auferlegtem Zwang tun soll, dann  kommt in der Regel sowieso nichts Gescheites dabei raus. Also lass ich es an Tagen wie diesen besser gleich sein.

Die Masse der Deutsch-Menschen hat mit Sicherheit auch immer wieder mal nur recht wenig bis gar keine Lust auf das, was sie tun müssen. Nur geben sie das nicht zu, verstellen sich an solchen Tagen lieber und tun nach außen hin so als ob. Aber zu so einer Verstellung habe ich ebensowenig Lust wie zum schreiben oder zum auf geheimnisvolle Weise verschollene Grabsteine suchen - jedenfalls heute nicht.
Also nochmals der Hinweis an alle, die es immer noch nicht wissen sollten:

Ich habe heute keine Lust!

Ich danke für Ihr Verständnis!




Freitag, 26. Juli 2013

Unter Verdacht - der Brötchenholer nach Acht

Mittwoch letzter Woche, morgens ca. 08.10 Uhr in der Warteschlange an der Kasse eines örtlichen Discounters. Auf der Rückseite des sich Impotentmacher holen wollenden Schreibers dieser Zeilen stehen zwei Brötchenholer hintereinander. Brötchenholer A, allem Anschein nach Vorruheständler, bemerkt den ihm wohl persönlich bekannten Brötchenholer B und begrüßt ihn: "Nanu? Heute nich´ arbeiten?" (ohne "Guten Morgen" oder ein kurzes "Morg´n" vorweg). Der derart angesprochene Brötchenholer B: "Doch, Spätschicht." A: "Ach so...".
Dieses "Ach so..." klang fast schon erleichtert. Man konnte das unausgesprochene "Dann isses ja gut" förmlich heraushören. Ein "Das will ich auch stark hoffen" oder ein "Das will ich dir auch geraten haben" könnten aber ebenfalls in der besonderen Betonung dieses "Ach so..." mit enthalten gewesen sein.

Durch die Tatsache, dass sich ein noch im - ihm allgemein unterstellten - arbeitsfähigen Alter befindlicher Deutsch-Mensch zu einer Uhrzeit Brötchen holt, wo er vom Durchschnitts-Deutsch-Menschen eigentlich an seinem Arbeitsplatz erwartet wird, macht er sich also erst mal verdächtig. Er steht unter dem dringenden Tatverdacht, arbeitslos geworden zu sein. Erst wenn er auf Schichtdienst (oder ggf. Urlaub) verweist, entspannt sich der Fragesteller wieder. Sollte ein mit "Heute nich´ arbeiten?" Angesprochener nun "Nö, krankgeschrieben." erwidern, folgt darauf meist auch ein "Ach so...". Aus dessen eher skeptisch klingender Betonung ist dann aber oftmals ein "Na na, Freundchen, so krank siehst du mir aber nicht aus. Und wenn du noch Brötchen holen kannst, kann´s sowieso nicht allzu schlimm sein." heraus zu hören. In der allgemeinen Volksbeurteilung kommt man mit "krankfeiern" jedoch immer noch besser weg als mit dem Verlust des Arbeitsplatzes. Die größte Untat, die ein Deutsch-Mensch außerhalb des Bereichs "Straftaten" begehen kann, ist nun mal das abrutschen in die Arbeitslosigkeit. Und eben darum solche Fragen wie "Nanu? Heute nich´ arbeiten?". Schließlich muss der Deutsch-Mensch ja wissen, ob er mit einem ihm persönlich Bekannten weiterhin einen entspannten Umgang pflegen kann oder lieber nicht. Und ob er ihm zukünftig erst einen "Guten Morgen" wünschen und sich danach locker mit ihm unterhalten kann, natürlich auch.
Noch was für Hobbystatistiker: Die große Mehrheit der "Nanu? Heute nich´ arbeiten?"-Frager gehört dem ehrwürdigen Stand der Vor- und Ruheständler an, arbeitet also selbst nicht mehr.

Man merke sich folglich: Wer als "arbeitsfähig" erachteter Deutsch-Mensch morgens nach 8 Uhr Brötchen holt, macht sich bei seinen Mit-Deutsch-Menschen schon verdächtig...

Achtung - Bildausfall!

Eigentlich sollte an dieser Stelle ein Bild platziert sein. Uneigentlich ist hier aktuell aber leider keins zu sehen. Gestern nachmittag nämlich wollte ich auf dem hiesigen Provinzfriedhof ein Foto von einem Grabstein machen, auf dem dick, fett und unüberlesbar eingemeißelt "Leben ist Arbeit" steht. Dummerweise stand besagter Grabstein aber nicht mehr an der mir als erinnerlich vermeinten Stelle. Zwei Möglichkeiten hierfür: Entweder hat er, der Stein, sich aufgrund der auch hier herrschenden Hitzewelle eigenmächtig ein schattiges Plätzchen gesucht oder aber ich habe den genauen Standort schlicht und einfach vergessen. Persönlich tendiere ich jedoch zu erstaufgeführter Möglichkeit;-). Wie auch immer - ich bitte, diese technische Panne höflichst zu entschuldigen! 
Sobald ich diesen Stein wiedergefunden habe wird er umgehend nachgereicht - so ich denn dann meinen Fotoapparat nicht vergessen haben sollte!

Mittwoch, 24. Juli 2013

Serie "Der große Kampf ums kleine Recht" - Folge 1: Der Rumhuper

Am hiesigen südlichen Ortsausgang - wenn man von Süden kommt ist es übrigens der Ortseingang - befindet sich eine stark befahrene Kreuzung. Vier Straßen treffen hier aufeinander, aus jeder Himmelsrichtung eine.
Die Verkehrsführung inklusive Vorfahrtsregelung ist für den Erstbesucher dieser Kreuzung allerdings erst mal etwas irritierend.
Der Orts- sowie Kreuzungsunkundige achtet beim Herannahen sowieso erst mal auf die großen gelben Schilder mit den schwarzen Buchstaben und Pfeilen, an denen er sich zwangsläufig orientieren muss, damit er weiß, in welche Richtung er abzubiegen hat, um an sein gewünschtes Ziel zu gelangen. Wenn er das gemeistert hat, dann ist er in der Regel an den vorfahrtregelnden Verkehrszeichen bereits vorbeigefahren, ohne selbige überhaupt wahrgenommen zu haben.
Aber selbst wenn der Erstkreuzungsbefahrer jetzt weiß, wo er lang muss, wird es für ihn nicht zwingend einfacher. Auf der Fahrbahn sind nämlich nur zwei weiße Pfeile aufgemalt: Einer für Rechts- und einer für Linksabbieger. Die Pfeilspitze für den Geradeausfahrer sucht man hier vergeblich. Sollte so ein aus südlicher Richtung eintreffendes Kreuzungsgreenhorn also geradeaus fahren wollen bzw. müssen, dann weiß er eben nicht, ob er sich auf der Spur mit dem Linkspfeil oder auf der mit dem Rechtspfeil einordnen muss (Achtung - ein großes Geheimnis wird gelüftet: Es ist die mit dem Linkspfeil!). Die Frage, ob man hier nun als Geradeausfahrer trotzdem links blinken muss, ohne dann links abzubiegen, kann ich aber auch nicht beantworten. Dieses Frage sorgt selbst bei noch so altgedienten Kreuzungsbefahrern immer wieder für große Verwirrung.

Der Kreuzungsneuling tastet sich im Allgemeinen verunsichert und langsam an diese Kreuzung heran. Hat er sich dann eingeordnet, dann tastet er aber noch weiter, nämlich sich mitsamt seines Fahrzeugs behutsam über den Kreuzungsbereich, um versehentliche Zusammenstöße mit anderen Fahrzeugführern nach Möglichkeit zu vermeiden.
Und nun endlich betritt der Titelheld dieser Folge die Szenerie -Tusch TätärätäääBumm: Dem hinter so einem Herantaster befindlichen kreuzungskundigen Verkehrsteilnehmer dauert das alles nämlich viel zu lange und so drückt er kräftig auf die Hupe seines Vehikels. Wie die meisten Deutsch-Menschen hat er ebenfalls nun mal sowieso nur ganz ganz wenig bis gar keine Zeit und von letzterem zu allem Überfluss auch noch viel zu viel.
Zum Hupen allerdings schon, denn im Schnitt lässt er seine Hand schon mal gern bis zu 5 Sekunden oder länger auf dem Huptonauslöser ruhen. Manche bevorzugen aber auch mehrere kurze Hupstöße hintereinander. Hierbei entlarvt er sich jetzt als Unterart des Rumpupers - eben als der Rumhuper! "Pupen durch hupen" lautet die schlichte Devise für so einen Zeitgenossen.
Während des hupens bedient sich der eine oder andere Rumhuper zusätzlich noch seines Mundwerks zwecks unterstützenden verbalen rumpupens. Davon ist in den allermeisten Fällen akustisch jedoch nichts wahrnehmbar, weil nur selten was davon durch die geschlossenen Fahrzeugscheiben nach außen dringt. Der Gesichtsausdruck samt der deutlich erkennbaren Lippenbewegungen des Rumhupers sprechen aber eindeutig für so ein gleichzeitiges hupen und pupen.

Hat ein jungfräulicher Kreuzungsbenutzer diese für Ortsunkundige gewöhnungsbedürftige Verkehrsführung plus Vorfahrtsregelung falsch interpretiert, so wird er prompt erneut erbarmungslos zusammengehupt. Auch wenn er die Kreuzung schon halb überquert haben sollte - der eigentlich Vorfahrtsberechtigte wird nun zum Aushilfs-Rambo und gibt jetzt erst recht kräftig Gas, selbstverfreilich untermalt von einem länger anhaltenden Hupton. Denn nur er befindet sich ja schließlich im Vorfahrtsrecht und genau das muss  nun mal konsequent behauptet werden: "Scheiß-Touris, die denken wohl, sie hätten die Vorfahrt gepachtet! Sowas wollen wir hier gar nicht erst einführen!".
Bei so einer Aktion kommen die beteiligten Fahrzeuge oftmals gerade mal so eben noch in Millimeterarbeit aneinander vorbei. Es ist sowieso fast ein Wunder, dass es dabei nur recht selten zu Berührungen oder gar "richtigen" Kollisionen kommt. Der letzte eigenäugig wahrgenommene Vorfall dieser Art ereignete sich jedenfalls vor ungefähr 10 Wochen.
Ich kann leider nicht genau sagen, wie oft am Tag solche Huptöne im näheren Umkreis besagter Kreuzung zu vernehmen sind. Mit den durch gelegentlich dann doch im allerletzten Augenblick getätigten Vollbremsungen ausgelösten Quietschgeräuschen wollen wir gar nicht erst anfangen. Wenig ist das alles aber auf keinen Fall. Die umliegenden Kreuzungsanwohner dürften aus Gewöhnungsgründen diese Klänge aber mittlerweile wohl schon gar nicht mehr wahrnehmen.
Wenn ich mal ausreichend Langeweile haben sollte, dann stelle ich mich vielleicht mal so von morgens 7 bis abends 20 Uhr dort hin und führe eine entsprechende Strichliste. Eine für diesen Zweck ausreichende Menge Papier sollte ich dann aber schon dabei haben.

Nun könnte man meinen, der kreuzungskundige Verkehrsteilnehmer würde anhand des auf die weiter entfernte Herkunft seines Vordermanns verweisenden Kennzeichens im Voraus erahnen können, dass jener möglicherweise seine Schwierigkeiten mit dieser Kreuzung haben könnte. Nix da - so weit mitdenken ist absolut nicht drin! Und mit dem Verständnis für die eigentlich verständliche Unsicherheit so eines Kreuzungsfremdlings ist es somit auch nicht allzu weit her. Dann lieber pupen durch hupen. Oder besser gleich hup-pupen.

Verlassen wir nun diese wundersame Kreuzung und begeben uns weiter stadteinwärts. Auch hier stoßen wir immer wieder auf den einen oder anderen passionierten Rumhuper.
Steht z.B. auf unserer Fahrbahnseite ein Kfz, z.B. ein ausladender Lieferant, und wir meinen, bis der uns von weiter hinten entgegenkommende Wagen da ist sind wir schon lange an dem Hindernis vorbei, dann beschleunigt der Entgegenkommer nach dem Gewahren unseres Vorhabens mal eben kurz und kräftig. Und wenn er nah genug an uns herangekommen ist und wir schon halb an dem "Blockierer" vorbei gekommen sind, dann hupt er. Und im Innenraum seines Gefährts pupt er manchmal noch dazu.
Öffnen wir an einer stark befahrenen Straße zum aussteigen nur leicht die Fahrertür, so ist unser im Rückspiegel zuvor noch als ausreichend entfernt vermutete "Nachfolger" ebenfalls in Windeseile herangesaust und hupt. Das dann spätestens, wenn wir die Tür schon halb offen haben. Oder sogar  schon halb ausgestiegen sind.
Aber auch als FußgängerIn ist man vor Rumhupern nicht gefeit. Man steht zwecks Fahrbahnüberquerung so still vor sich hin, um zwecks beabsichtigter hurtiger Überquerung eine groß genug geratene Lücke zwischen den auf beiden Fahrbahnhälften dicht hintereinander klebenden Fahrzeugen zu erspähen und selbige umgehend auszunutzen. Bietet sich so eine Lücke dann tatsächlich an kann man gar nicht so schnell gucken, wie der eben noch weit genug entfernte vermeinte Mit-Verkehrsteilnehmer da ist: Passant auf der Fahrbahn erblickt, kraftvoll auf die Tube gedrückt - und dann gehupt. Dieses sehr gern gerade auch dann, wenn der Straßenüberquerer das gegenüberliegende Ziel bereits fast erreicht hat. Aber eben nur fast...
Ist diese Extrabeschleunigung in den vorgenannten Fällen nun einfach nur Bosheit? Oder schlicht Dummheit? Oder möchte so ein Zeitgenosse einfach nur die günstige Gelegenheit nutzen, um mal wieder die ordnungsgemäße Funktionstüchtigkeit seiner Hupe einschließlich korrekter Lautstärke überprüfen zu können?

Der Rumhuper ist weder auf eine bestimmte Altersgruppe noch auf ein bestimmtes Geschlecht zu reduzieren. Das rumhupen ist sozusagen alters- und geschlechterübergreifend.
Erst vorgestern wurde der Schreiber dieser Zeilen selbst angehupt. Allerdings nicht an jener ominösen Kreuzung, denn die kennt er als Einheimischer ja zur Genüge.
Mit einem mir kurzzeitig leihweise überlassenen Pkw wollte ich auf der örtlichen "Einkaufsstraße" rückwärts aus einer Parklücke auf die Fahrbahn zurücksetzen (Schrägaufstellung an Straße mit leichter Steigung). Rechts neben mir stand ein Transporter, der mir die Sicht auf die auf "meiner" Seite von rechts unten her nahenden Fahrzeuge verdeckte. Also gaaanz langsam Stückchen für Stückchen zurück gerollt, wie sich das gehört. Als "mein" Heck gerade so ein paar wenige Zentimeter hinter dem des Transporters vorragte konnte ich es laut und deutlich hören - das eindeutig mir geltende Geräusch, das von einer herzhaft-kraftvoll gedrückten Autohupe ausgeht! Bruchteile von Sekunden später rauschte auch schon die Verursacherin dieses Geräuschs denkbar knapp hinter mir bzw. dem Pkw-Heck durch - mit dabei noch immer eisern festgehaltener Hupe, versteht sich: Eine mit vermutlich wie gewohnt wenig Zeit ausgestattete, bei Blick in den Rückspiegel geschätzt in den Mittdreißigern befindliche, Verkehrsteilnehmerin. Nun könnte man annehmen, die gute Frau hätte vielleicht die Wahrscheinlichkeit, dass aus der Parklücke hinter dem Transporter- plötzlich und eventuell noch ein weiteres Kfz-Heck in Erscheinung treten könnte, mit ins Auge fassen können. Da sie jedoch auf dieser als 10km/h-Zone ausgewiesenen Fahrbahn deutlich schneller als mit der erlaubten Geschwindigkeit unterwegs war (schätzungsweise um die 50km/h), kann man sich so eine verwegene Annahme eh schenken. Von der Möglichkeit des kurz haltens und mich rauslassens reden wir besser gar nicht erst.
Ob diese Dame beim hupen zusätzlich verbal rumgepupt hat konnte ich wegen der Schnelle des Augenblicks vom Rückspiegel aus betrachtet aber nicht erkennen.

Wie wir an diesen Beispielen gesehen haben neigt der rechtsbewusste Deutsch-Mensch gerade im Straßenverkehr zu teils recht waghalsigen und fast schon actionfilmreifen Manövern, um sein "kleines" Recht durchzusetzen.
Und wenn das rumpupen hierzu allein nicht ausreicht, dann wird eben zusätzlich noch gehupt - oder umgekehrt...


Dienstag, 23. Juli 2013

Neue Serie: Der große Kampf ums kleine Recht

In den folgenden Ausgaben des Volks-Beobachters wollen wir uns zwischendurch immer mal wieder dem Deutsch-Menschen bei der täglichen energischen Durchsetzung seines - oftmals aber nur vermeintlich - "guten Rechts" widmen.

Im Allgemeinen ist der Deutsch-Mensch gar nicht mal so kleinlich, wenn es um seine "großen" Rechte geht. Das seit geraumer Zeit wesentliche Bestandteile seiner Grund-, Bürger- und Freiheitsrechte in verstärktem Maße eingeschränkt, ausgehebelt oder gar abgeschafft wurden bzw. werden, entlockt ihm z.B. lediglich ein gelangweiltes Achselzucken. Seine eigene kleine Welt soll und muss für ihn einfach sein und bleiben und von daher wäre für ihn jede nähere Beschäftigung mit seinen "großen" Rechten und deren Erhalt nur unnötig störend.
Ganz anders hingegen sieht das für den Deutsch-Menschen im normalen Alltag seiner einfachen kleinen Welt aus. Wenn er da auch nur im geringsten vermeint, irgend jemand wolle ihm ausgerechnet hier sein "gutes Recht" streitig machen,... auha. Da wird in ihm im Handumdrehen die Kämpfernatur geweckt, da wird er zum unerschrockenen Verteidiger des "kleinen" Rechts, nämlich seines als solches empfunden eigenen.
Ohne Rücksicht auf Verluste wird in so einem Fall mit Tunnelblick und harten Bandagen gekämpft und keinen einzigen Millimeter zurückgewichen. Unnachgiebig und von unnötigem Ballast wie Vernunft nunmehr vollständig befreit, fightet der Deutsch-Mensch um sein tägliches "kleines" Recht.

Ob am Gartenzaun, im Straßenverkehr, auf Parkplätzen, an der Kasse im Einkaufsmarkt, am Pfandautomaten - gerade hier spielen sich Tag für Tag immer wieder dramatische Szenen voller Action, Spannung und (ungewollter) Situationskomik ab, die den Zuschauer stets aufs Neue in ihren Bann zu ziehen vermögen.
Werden also auch Sie zum "Schlachtenbummler" und verpassen Sie daher auf gar keinen Fall unsere neue Serie "Der große Kampf ums kleine Recht" - demnächst auch auf Ihrem Monitor!




Sonntag, 21. Juli 2013

Einmal Erbsensuppe, bitte!

Ist das heute nicht ein herrlicher Sonntag, der seinem Namen mal wirklich alle Ehre macht? Von mir aus könnte das jedenfalls für den Rest des Jahres gern so bleiben. Regnen sollte es zwischendurch zwar schon, aber das könnte sich ja ausschließlich auf die Nachtstunden beschränken.
Wie auch immer, bestimmt finden auch heute irgendwo im - besonders aber auf dem - Land von Vereinen, Verbänden, Interessengemeinschaften und öffentlichen Institutionen organisierte Freiluftveranstaltungen mit Volksfestcharakter statt. Man kennt sowas ja: Stadt-/Stadtteil- oder Dorffest, Straßenfest, Sommerfest, Orts- oder Vereinsjubiläum, usw.
Neben den üblichen Fress- und Saufbuden steht bei vielen derartigen "Events" auch eine dieser mobilen "Outdoor-Küchen" herum, die vom Volksmund als "Gulaschkanone" tituliert wird. Nur wird bei solchen Festivitäten aus dieser Kanone zumeist eben kein Gulasch abgefeuert, sondern Erbseneintopf - je nachdem mit darin enthaltener Bockwurst und/oder fettem Speck.

Vor solch einem Eintopf-Geschütz bildet sich vor allem um die Mittagszeit herum stets eine beträchtliche Menschenschlange, die Appetit auf die herzhaft-deftige "Kanonenmunition" bekommen hat. Die Mitglieder dieser Aufreihung sind überwiegend männlich und alterstechnisch zwischen den mittleren und gehobeneren Jahrgängen angesiedelt.
Nach dem mittels einer großen Kelle bewerkstelligten Einschlags so eines "Eintopf-Geschosses" in der weißen Plastikterrine löffelt der Erbsensuppen-Gourmet nunmehr munter im Stehen drauf los, wobei er sich eines ebenfalls weißen sowie aus kunststofflichen Materialien hergestellten Löffels bedient. Hierbei sondert er zwischendurch - wegen mit erbsensuppenmäßig ausgefüllten Backenräumen nur schwer verständliche - Kommentare wie "Mmmh, fmeckt efft Klaffe!" und "Jawoll, daf if´ noch `ne  riftige Erbfenfuppe...ganf wie früher!" ab.

Dem Beobachter diesen Treibens rund um so eine "Gulaschkanone" herum stellt sich nun folgende Frage: Was würde so ein Sonntags-Erbsensuppengenießer wohl zuhause sagen, wenn er seine Lebensabschnittsgefährtin am Freitagabend "Du, weißte schon, was Du am Sonntag zum Mittagessen machst?" fragen und die so Angesprochene darauf mit "Och, ich hab´ gedacht, ich mach´ uns mal ´ne schöne Erbsensuppe. So `ne richtige... wie früher!" antworten würde? Vermutlich würde sich bei so manchem die Begeisterung für einen sonntäglichen heimischen Erbseneintopf in eher bescheidenen Grenzen halten: "Sach mal, haste se noch alle? Ich ess´ sonntags ja wohl bestimmt keine Erbsensuppe!!!".

Nur zuhause also möchte man(n) sonntags keine Erbsensuppe nicht -
das wäre dann wohl sowas wie die Moral von der Geschicht´...

Donnerstag, 18. Juli 2013

Aus aktuellem Anlass: Sind Fliegen einfach nur doof?

Seit ein paar Tagen ist nun endlich auch hier in dieser Region, in der der Volks-Beobachter seine Beobachtungen tätigt, so etwas wie Sommer ausgebrochen. Es herrschen hier zwar mit Temperaturwerten im unteren bis mittleren 20-Grad-Bereich zwar keine schweißtreibenden klimatischen Bedingungen, aber für die Bewohnerschaft dieser ansonsten auch im Sommer nicht gerade sonnen- und wärmeverwöhnten Ecke sind das beinah schon sub- bis tropische Verhältnisse.

Gerade bei solch seltenen angenehmen Witterungsbedingungen wird natürlich die Wohnung öfter und länger gut durchgelüftet als im Winter. Bei Abwesenheit möglichst alle Fenster auf Kipp, bei Anwesenheit einige bis alle Fenster sperrangelweit auf. Falls vorhanden gilt das ebenfalls für Balkon- oder Terrassentüren. So weit, so gut gelüftet.
Allerdings nutzen gewisse kleinere tierisch-insektische Zeitgenossen diese Tage der offenen Fenster und Türen vermehrt zum unerlaubten und von daher unerwünschten Eindringen in die menschlichen Behausungen. Es ist sowieso schon ein Anzeichen für Dummheit an sich, dass diese Brummer und Summer es bei derart traumhaftem Wetter vorziehen, sich in anderer Leute Wohnungen aufzuhalten - und das sowieso gerade und ausgerechnet in den hiesigen eher kühlen Breitengraden.
Statt diese seltenen Schönwettertage sinnvoll zu nutzen und draußen in der Sommerluft umherzuschwirren hocken sie lieber in der Bude rum! Also so ganz "normal" ist das ja nun wohl wirklich nicht, oder?

Es heißt ja, dass Fliegen hauptsächlich von Küchengerüchen angelockt würden. Aber irgendwie wollen sich unsere modernen Fliegen absolut nicht an diese alte Volksweisheit halten! Statt in der Küche lungern sie nämlich immer in genau den außerküchlichen Räumlichkeiten rum, in denen sich der menschliche Bewohner gerade aufhält. Wenn die Gemeine Stubenfliege sich hierbei wenigstens still und unauffällig verhalten würde, könnte mensch das ja durchaus tolerieren. Das Dumme aber ist, dass diese in vornehmeren Kreisen auch als Musca domestica bezeichneten Nervensägen während so eines häuslichen Aufenthalts unentwegt die menschliche Nähe suchen. Ob man am PC hockt oder auf der Couch sitzend am lesen oder in die Röhre gucken ist - andauernd sausen die Muscas um einen herum. Und das bevorzugt um den Kopf.
Besonders unangenehm ist das, wenn sie sich die Ohren und Nasenlöcher des PC- oder Couchhockers als favorisierte Sausezone gewählt haben. Zwischendurch lassen sie sich für ein Päuschen gern auf den entblößten menschlichen Unter- und Oberarmen nieder. Ist mensch barfuß setzen sie sich auch mal auf den einen oder anderen Fußbereich. Letzteres hat aber absolut nichts mit Schweißfußträgern zu tun! Ob Käsefüße oder nicht, die normal-durchschnittlich gebildete Fliege macht dahingehend keinerlei Unterschiede!
Wenn sie sich auch hier einigermaßen gesittet benehmen und still sitzen würde, könnte mensch auch dieses noch hinnehmen. Aber nein, sie nutzt ihre Flugpause überwiegend dazu, munter auf besagten Körperteilen zwecks genauerer Erkundung rumzukrabbeln. Solch ein Verhalten empfinden nicht nur kitzligere Naturen als äußerst störend und so stellt sich dem Betroffenen unweigerlich die Frage: "Wie kriege ich den Plagegeist schleunigst wieder aus meiner Wohnung?".

Im Verlauf eines längeren Entwicklungsprozesses im Kopf habe ich mittlerweile den Respekt vor ausnahmslos jeder Art und Form von Leben verinnerlicht. Somit kommen für mich persönlich Fliegenklatschen, Zeitungen oder chemische Waffen auch bei der Fliegenentfernung überhaupt nicht erst in Frage. Also erhebe ich mich in solchen Fällen von meiner jeweiligen Sitzgelegenheit und versuche, die Nervtöter dank entsprechender Hand- oder Zeitungsfuchteleien Richtung offenes Fenster zu treiben. Dies gelingt in aller Regel ganz gut - zumindest bis zum Fenster. Denn statt nun aus der wahrlich ausreichend großen Öffnung nach draußen zu entschweben, dreht so eine dahin getriebene Fliege stets zum Fensterrahmen ab, um eben jetzt dort weiter zu verweilen. Sie will nun mal trotz aller unmissverständlichen Hinweise meinerseits um´s verrecken nicht raus in die Sonne!

Mit Hand oder Zeitung wird nunmehr versucht, so ein Musca-Tier durch mehr oder weniger sanften Druck zur offenen Fensterfront zu bewegen. Doch was macht dieses widerspenstige Wesen? Es krabbelt den Rahmen entlang nach oben oder unten! Oder es weicht geschickt nach links oder rechts zur jeweiligen Wandseite hin aus. Ist das Fenster nur gekippt, dann springt es auch gern auf die Scheibe. Dort weicht es ebenfalls durch reges Auf-, Nieder-, Kreuz- und Quergekrabbel allen Abdrängversuchen Richtung Fensteröffnung aus.
Als unermüdlicher Fliegenscheucher gebe ich aber nicht so schnell auf und dränge den Flüchtling pausenlos in immer wieder neue Anläufen Richtung Ausgang. Und irgendwann habe ich ihn dann doch weichgekocht: Der Störenfried entweicht tatsächlich durch die jeweilige Öffnung, beschreibt flugtechnisch draußen vor dem Fenster einen großen Bogen - und kommt danach umgehend durch eben jene Öffnung wieder reingesaust!
Bei geöffneter Balkon- oder Terrassentür verhält es sich hierbei übrigens nicht anders als mit den offenen Fenstern - der bescheidene Erfolg ist am Ende der gleiche!
Der schnelle Heimkehrer zieht es jedenfalls jetzt sicherheitshalber vor, den Raum bis zum entgegengesetzten Ende zu durchfliegen und sich erst mal an der dortigen Wand ein wenig auszuruhen. Nach einer Weile startet er aber erneut zu aufdringlichen Annäherungsversuchen - und das ganze Spiel beginnt von vorn...

Doofe Fliege
Wenn man sich nun dieses stubenfliegerische Verhalten - insbesondere am und um das Fenster - so ansieht, dann kann man eigentlich nur zu einem Schluss gelangen: Fliegen sind schlicht und einfach nur doof!

P.S.: Zu ihrer Ehrenrettung muss gesagt werden, dass diese "geistigen Tieffliege(r)n" nicht allein mit ihrem seltsamen Fensterverhalten sind! Schnaken z.B., im Volksmund auch Schneider, Schuster und Langbein genannt, sind nämlich mindestens genauso doof!

Mittwoch, 17. Juli 2013

Der heilige Rasen von Hannes

Den "heiligen Rasen von Wimbledon" kennt eigentlich jede(r). Oder hat zumindest schon einmal davon gehört, selbst wenn er oder sie sich überhaupt nicht für Tennis interessiert. Der "heilige Rasen von Wimbledon" ist nun mal auch hierzulande weltberühmt - spätestens seit Bum-Bum-Bobbeles und Gräfin Stefanies seligen Tennis-Zeiten.
Und dann gibt es da noch den heiligen Rasen von Hannes. Der ist aber nicht ganz so berühmt wie der im englischen "Tennis-Mekka". Den kennt nämlich kaum jemand - außer den Nachbarn, Verwandten und Bekannten von Hannes. Ein weiterer großer aber feiner Unterschied zwischen dem Wimbledon-Rasen und dem von Hannes ist: Der von Hannes ist besser gepflegt - bedeutend besser!

Eine kurze Zwischenbemerkung noch: Wenn es in "Beobachtungsreportagen" um bestimmte Einzelpersonen geht, werden die betreffenden Namen stets geändert.
Dies geschieht ausschließlich aus Gründen, die der weiteren Aufrechterhaltung der körperlichen Unversehrtheit des Beobachters sowie Verfassers dienen!

Nun aber weiter im Text: Hannes war mein Nachbar und dazu auch noch um 3 Ecken herum mit mir verwandt. Irgendwann Anfang der 1970-er-Jahre hat Hannes, der zuvor mit Gattin und Sohnemann zur Miete gewohnt hat, schräg gegenüber von meinem damaligen Domizil ein Haus mit Grundstück gebaut. Dieses hat er dann nach Fertigstellung samt Frau, Sohn, Vater und Mutter bezogen. Und ab da wurde es für den neutralen Beobachter in unserer Straße höchst interessant.
Jeden Vormittag hat nun Hannes´ Vater eine ausführliche Grundstücksbegehung durchgeführt. Dabei wurde akribisch aufgelistet, welche haus- und grundstückseigentümerischen Tätigkeiten Hannes am Nachmittag zu erledigen hatte. Wenn Hannes dann um 15 Uhr von der Arbeit kam, wurde er unmittelbar nach entsteigen seines Kraftfahrzeugs von der Arbeitsliste samt dranhängendem Vater noch vor der Haustür aufgelauert und Hannes erhielt eine kurze, aber deutliche Einführung in das sorgfältig ausgearbeitete Nachmittagsprogramm: "Der Strauch da hinten rechts muss an der linken hinteren Ecke oben rum noch mal nachgeschnitten werden!". Oder: "Die untere Hauswand nach hinten raus muss unbedingt wieder abgewaschen werden!".
Punkt 15.05 Uhr stand Hannes "gestiefelt und gespornt" - sprich im dunkelblauen Drillich - auf der Matte und arbeitete besagte Liste ab. Sein Vater führte dabei stets gewissenhaft Aufsicht und gab dazu gute Ratschläge sowie den einen oder anderen nett formulierten Hinweis, wo Hannes nicht genau genug geschnippelt  - oder abgewaschen - hatte: "Hannes, Mensch! Mach´ gefälligst die Augen auf beim schneiden! Da rechts außen steht noch´n Zippel vor!". "Hee, Hannes, da... der eine kleine Fleck da...den haste aber noch nich´ richtig weggewischt!", usw.
Mir ist es übrigens bis heute ein absolutes Rätsel geblieben, wie es Hannes in diesen 5 Minuten zwischen 15 und 15.05 Uhr zwischen heimatlicher Ankunft und Arbeitseinsatz stets geschafft hat, sich umzuziehen und gleichzeitig sein warmes Mittagsmahl einzunehmen.

Eine Ausnahme, bei denen Hannes´ aufsichtführender Vater auch mal aktiver ins Geschehen eingriff, war das mittels eines in spülmitteldurchsetzten Wasser getränkten Wischlappens getätigte, sorgfältige einzelne abwaschen der zwischen Garagenauffahrt und Hauseingangsbereich zur Deko dienenden und von daher dort rumliegenden ca. 45 weißen Quarzsteine. 
Tja, und dann war da noch das Rasenmähen. Hannes drehte hierbei unter gewohnt sorgsamer väterlicher Anleitung mit einem "Benziner" seine Rasenrunden, bis die Rasenfläche ausreichend gestutzt war. Anschließend ging es direkt zum absoluten Highlight dieser Veranstaltung über: dem Rasenkanten und Grashalme schneiden und noch mal nachschneiden!
Hierzu pflegte sich Hannes Vater zwecks besserer Übersicht auf den Bauch zu legen, um Hannes sicher zu den einzelnen Halmen zu geleiten: "Hannes, da vorne...ja...`n Stück weiter links...links, links, links. Ja! Und jetzt rechts...rechts, rechts, rechts...ja, da! N´ Stück nach hinten...weiter, weiter, weiter...Halt, jetzt nach rechts...rechts...rechts...Halt, `n bissel nach links. Japp!". Auf diese Weise wurde vom auf allen Vieren dahinkriechenden Hannes jeder einzelne der geschätzt 1.275.683 Grashalme mit einer Nagelschere (!) mikrometergenau auf eine einheitliche Länge gebracht.
Zwischen den Mäheinsätzen wurde der Rasen übrigens und außerdem noch regelmäßig gründlich ab- und durchgeharkt.

Kurz nachdem sein Vater das Zeitliche gesegnet hatte begab sich Hannes in den vorgezogenen Ruhestand. Wer aber nun dachte, Hannes würde es mit der Gartenpflege jetzt ein wenig ruhiger und gelassener angehen, hatte sich allerdings schwer getäuscht. Das väterliche Angedenken stets ehrfürchtig hochhaltend krauchte Hannes auch weiterhin unentwegt über den Rasen, peilte die einzelnen Halmlängen, schnippelte an ihnen sowie den Sträuchern zugehörigen Zweigen und Ästen herum und harkte ab und um. Auch bei sonstigen haus- und gartentechnischen Arbeiten legte er selbstredend dieselbe akribische Sorgfalt an den Tag.
Hannes verfügte außerdem über ein gewisses handwerkliches Geschick und so wurden viele Reparaturen, Nach-und Verbesserungen sowohl an und im Haus als auch Garten eigenhändig durchgeführt. Da hierbei mit der gleichen Akribie wie bei Rasen und Sträuchern vorgegangen wurde, konnte z.B. das tapezieren eines mittelgroßen Raumes gut und gerne schon mal 3 volle Tage zuzüglich Abende in Anspruch nehmen. Und selbstverständlich wurde das Hannes-Mobil genauso penibel gehegt und gepflegt wie alles andere auch. Da die hierzu eigentlich errichteten und dafür vorgesehenen Waschanlagen Hannes´ Meinung nach nicht gründlich genug säubern würden, hat er bis zuletzt sein Auto in der Garagenauffahrt selbst gewaschen; und das natürlich äußerst gründlich. Wohlmeinende Mitmenschen, die ihn höflich darauf hinwiesen, dass das evtl. teuer werden könne, beschied er knapp mit "Auf meinem Grundstück mache ich, was ich will; da hat mir keiner vorzuschreiben, ob ich da nun mein Auto wasche oder nicht!". Peng!
Das die Kfz-Innenreinigung ebenfalls besonders gewissenhaft erfolgte muss wohl nicht gesondert erwähnt werden.

So ein hannes´scher Ruhestands-Arbeitstag begann in der Regel um 7 Uh früh und endete - unter Berücksichtigung kurzer Pausen zwecks Einnahme von Mittag- und Abendessen - je nach Jahreszeit mit Einbruch der Dunkelheit. Im Sommer war somit erst gegen 22 Uhr Feierabend. Da Hannes ganzjährig eine 7-Tage-Woche hatte, bildeten somit auch Sonn- und Feiertage keine Ausnahme von dieser ehernen Regel. Auch schlechte äußere Witterungsbedingungen wie z.B. Dauerregen konnten Hannes in seinem Elan nicht bremsen. In solchen Fällen kleidete er sich in "Friesennerz" und Gummistiefel, um auch unter solch ungünstigen Umständen pflichtbewusst seinen Außendienst verrichten zu können. Kritischeren Geistern, die Hannes während dessen Rasen- und Strauchpflege mutigerweise mal die Frage stellten, ob er denn damit nicht ein wenig übertreibe, entgegnete Hannes knapp aber deutlich: "Jeder macht´s so, wie er´s für richtig hält!" - Diskussion damit beendet.
Richtig pampig konnte Hannes aber werden, wenn ihn jemand wegen seiner Pedanterie ein bisschen foppen wollte. So sah ihm beispielsweise mal ein Nachbar bei so einer Nagelscheren-Grashalmlängenangleicherei eine Weile zu, wobei sich dieser von mir eigenohrig gehörte Dialog entspann: "Du, Hannes, haste mal´n Blatt Schmirgelpapier für mich?" "Jaha. Wozu brauchst´n das?" "Och, ich wollte nur Deine Grashalme noch´n bisschen abschmirgeln!".
Dieses waren dann so die Momente, in denen Hannes not amused war und auch recht ungehalten werden konnte. Nicht selten entlockten ihm derartige unqualifizierte Kommentare dann verbale Entgleisungen wie "Du Arschloch! Kümmer´ Dich gefälligst um Deinen eigenen Kram!" (Stichwort: "Rumpuper").

Wer nun denkt, diese Grashalmgeschichte sei nicht mehr zu überbieten, der hat Hannes nicht gekannt! Irgendwie schaffte er es immer, noch eins drauf zu setzen. An einem Tag im Herbst blickte ich z.B. zufällig vom Fenster rüber zum Hannes´schen Grundstück und sah dabei mit einiger Verwunderung, wie Hannes da mit nach oben ausgestreckten Armen wie mit einem im Rücken steckenden Schlüssel aufgezogen hin und her hopste. Erst nach mehrmaligem genaueren Hinsehen konnte ich den Grund dafür analysieren: Hannes fing die durch die Luft segelnden Laubblätter auf, damit sie nicht auf seinem Rasen landeten!
Noch ein "abschreckendes" Beispiel: An einem Nachmittag im Frühjahr ertönte von Hannes Grundstück her ein seltsames Brummgeräusch. Nach Einnahme des Fensterplatzes bot sich dem Hannes-Beobachter folgendes Bild: Hannes, der bis an die Zähne mit einem Hausstaubsauger bewaffnet die Überreste des daneben gefallenen Wintervogelfutters rund um das Vogelhäuschen vom Rasen saugte!
Wer das alles nicht mit eigenen Augen gesehen hat, der oder die glaubt es sowieso nicht. So hat Hannes an langweiligen Nachmittagen jedenfalls immer wieder für Unterhaltung gesorgt. Wenn man an öden Nachmittagen nicht wusste, was man machen sollte - einfach mal aus´m Fenster schauen, was Hannes gerade so treibt. Da wurde einem eigentlich immer irgendwas geboten. Und vor neuen Überraschungen Hausmarke Hannes war man auch niemals wirklich sicher!

Nervig für einen selbst konnte es allerdings werden, wenn Hannes um nachbarliche Mithilfe ersuchte. Er erwartete in diesen Fällen nämlich von anderen dieselbe "Akkuratesse" bei der Arbeit wie von sich selbst. Bei entsprechendem Fehlverhalten wurde das dem willigen Helfer dann auch gnadenlos um die Ohren gehauen.
Nicht selten hat Hannes vor bestimmten Arbeiten exakte Zeichnungen hinsichtlich der jeweiligen Vorgehensweise angefertigt. Als z.B. die oben im Haus befindliche Wohnung von Hannes´ Mutter nach deren Ableben leergeräumt wurde, um daraus eine Ferienwohnung zu machen, und dabei eine Eckcouch durch die Tür geschleppt werden musste, hat Hannes auch hierfür zuvor eine genaue Skizze gefertigt. Auf dieser war genauestens aufgemalt und berechnet, wie das eckige Ding ohne möglicherweise kleinere Beschädigungen am Türrahmen zu hinterlassen, durch die Tür zu kriegen war. Auch für das aufstellen von robust-hölzernen Sitzbänken samt Tisch auf der Terrasse hinterm Haus wurde eine Planskizze erstellt, weil diese Gerätschaften am Boden schließlich millimeter- und auch sonst haargenau an die Ritzen der Steinplatten an- und miteinander abschließen mussten.

Wer nun meint, das Hannes es im Winter zwangsweise ruhiger angehen ließ - tja, auch der oder die liegt mit dieser Einschätzung aber sowas von komplett daneben! Statt auf Rasen und Sträucher stürzte er sich jetzt mit Begeisterung auf den Schnee! Von Gehweg, Garagenauffahrt sowie Hauseingangsbereich wurde der gefallene Schnee mittels eines Schneeschiebers sorgfältigst geräumt, an einen zentralen Punkt geschoben oder geworfen, bis sich nach und nach ein gewaltiger Haufen aufgetürmt hatte. Dieser Haufen wurde von Hannes dann mithilfe einer sog. "Schneehexe" 70m weiter zum Waldrand befördert und dort einen kleinen Hang hinunter gekippt. Nach längeren oder starken Wintern hatte sich dort meist so viel von Hannes´ gesammelten Schneewerken aufgetürmt, dass Restbestände davon nicht selten noch Mitte Mai aus dem jetzt auch hier rundherum satten Grün auffällig-unauffällig vorragten.
Mit der letzten Schneehexenfuhre war Hannes´ Werk aber noch lange nicht vollendet. Mit dem Schneeschieber wurde nun die "Schneewange" entlang des Grundstücks geplättet und sorgsamst glatt gestrichen. Der obere "Wangen-Abschluss" wurde anschließend am vorderen Rand zu einer Art Tischkante "modelliert", wobei auch hier selbstverständlich auf kerzengeraden Verlauf und korrekte "Eckigkeit" dieser Kante geachtet wurde. Selbst wenn es vor Hannes´ Schneeräumeinsatz mit schneien aufgehört hatte - dieses Prozedere dauerte immer mehrere Stunden. Meist setzte dann irgendwann erneut Schneefall ein, aber Hannes fing in so einem Fall unverdrossen wieder vollkommen von vorne an. Bei länger anhaltenden Schneefällen war er dann konsequenterweise nonstop in Aktion. An winterlichen Spitzentagen fing er bereits um 5 Uhr früh an und zog das dann mit kurzen Unterbrechungen für Frühstück, Mittag- und Abendessen bis spätabends 23 Uhr unermüdlich so durch! Der interessierte Beobachter brauchte also auch im Winter nicht auf die - frei nach dem Titel einer früheren Fernseh-Kriminalserie mit Beppo Brem - seltsamen Methoden des Hannes zu verzichten.

Es scheint so, dass Menschen, die zu viel Zeit mit Hannes verbracht hatten, von dessen Marotten infiziert wurden. Marianne jedenfalls, die Frau von Hannes, wurde im Laufe der Jahre ebenfalls immer "komischer". Auch sie war ab einem gewissen Zeitpunkt so weit, dass sie tagtäglich von morgens bis abends im innerhäuslichen Bereich ununterbrochen am machen und tun war. Wenn man aus irgendwelchen Gründen mal das Hannes-Haus - mit vor der Haustür ausgezogenen Schuhen natürlich - betreten musste, war Marianne vom Dachboden bis zum Keller und wieder zurück pausenlos (Ausnahme: die Einnahme der jeweiligen Mahlzeiten) mit hausfraulichen Tätigkeiten befasst. Und auch für sie galt hierbei logischerweise die 7-Tage-Woche. Und Marianne war auf die Minute genau so lange im Haus am wirbeln wie Hannes draußen.
Dem neutralen Beobachter erschienen einige dieser Tätigkeiten manchmal allerdings schon etwas mehr als übertrieben. So kam es z.B. vor, dass der Schreiber dieses Berichts einmal aus nicht mehr erinnerlichen Gründen die dortige Küche betrat. Dort sah es freilich erwartungsgemäß aus wie "geleckt", nur auf dem Küchentisch stand verloren ein einsamer Kaffeebecher herum. Marianne ließ prompt eine Entschuldigung zu dieser ungeheuerlichen Schweinerei vom Stapel: "Du musst bitte entschuldigen, dass es hier so unordentlich aussieht, aber ich hab´ mir gerade eine Tasse Kaffee gemacht!". Sprach´s, nahm den Kaffeepott vom Tisch, stellte ihn auf der Anrichte ab und wischte die vorherige "Becherstellfläche" mit einem feuchten Tuch ab. Nahm den Becher, stellte ihn wieder an die alte Stelle auf den Tisch und wischte nun den betreffenden Bereich auf der Anrichte feucht ab. Auch hier gilt wie schon bei Hannes: Wer es nicht mit eigenen Augen usw...

Mitleidige Nachbarinnen haben hin und wieder versucht, Mariannes Widerstandsgeist zu wecken. "Mensch, Marianne, mach´ doch nicht immer diesen Quatsch mit! Wenn der Hannes von früh bis spät draußen rumfummeln will, dann lass ihn das machen. Aber sei Du nicht so blöd und gönn´ Dir auch mal was Gutes. Mach´ Dir zwischendurch doch einfach mal `nen schönen Tag, fahr  mal irgendwo hin zum rumbummeln oder mach sonstwas!". Mariannes Standardantwort darauf: "NeeNee, wenn Hannes arbeitet, dann muss ich auch arbeiten. Ich hab´ sonst keine Ruhe!". "Dann hau´ Dich wenigstens nachmittags mal für ´ne Stunde aufs Sofa und leg´ die Füße hoch..." "Nee, wenn ich weiß, dass Hannes draußen arbeitet und ich dann auf der Couch liege...also nee, dabei hätte ich ein ganz schlechtes Gewissen!".
Wenn Marianne im Sommer abends um 21 Uhr die Fenster putzte, so eine besorgte Nachbarin dabei am Hannes-Haus vorbeiging und zu ihr sagte: "Mensch, Marianne, es is´ abends um Neune! Mach´ endlich mal Schluss für heute, die Fenster laufen Dir bis morgen früh schon nicht weg!", dann hieß es von Mariannes Seite her stets "Och nööö, solange Hannes arbeitet, solange muss ich einfach auch arbeiten. Ich hab´ sonst keine Ruhe!". Gern verwies Marianne auch darauf, dass für sie der Tag mit 24 eigentlich viel zu wenige Stunden hätte: "Ich weiß gar nicht, wie ich in dieser Zeit meine tägliche Arbeit schaffen soll...".
Zu den in diesem Nachbarschaftsreport beschriebenen Zu- und Umständen mag sich jeder so seine eigenen Gedanken machen - ich jedenfalls hab´ mir über Hannes und Marianne die meinigen schon lange gemacht. Auf alle Fälle scheint dieser "Virus" auf Menschen, die auf längere Sicht gesehen und dabei eindeutig zu nah an Hannes dran waren, durchaus übertragbar gewesen zu sein.

Die viele tägliche Bewegung an der frischen Luft als auch die Umstände, dass Hannes in seiner knapp bemessenen Freizeit a) gern mal durch den Wald lief oder in die Pedale trat sowie im Winter dem Skilang-, Abfahrts- und Torlauf frönte und (b) in seinem ganzen Leben nie auch nur eine einzige Zigarette geraucht hatte verhinderten jedoch nicht, dass Hannes vor ein paar Jahren an Parkinson erkrankte. Als ihn kurz hintereinander zwei Schlaganfälle trafen war´s das dann für ihn.
Ich selbst wohne seit fast 5 Jahren nicht mehr in der Straße, in der Hannes´ Haus und Grundstück stehen bzw. liegen. Somit kann ich auch nicht sagen, was aus Hannes´ Rasen inzwischen geworden ist. Vermutlich ist er mittlerweile entweder "nur" noch so gepflegt wie der in Wimbledon oder noch schlimmer. Ich weiß nur eines: Irgendwie vermisse ich die beiden schon ein wenig - den Hannes halt...und seinen ganz persönlichen heiligen Rasen!